Förderverein Stadtbibliothek Rottenburg

27.11.2023: Krisengefühle. Was schert uns da noch das Klima? Positive Psychologie im Buch von Lea Dohm/Mareike Schulze „Klimagefühle“ (München 2022) und das Wesen der Polykrise nach Adam Tooze (2022)

1. Einführung (Winfried Thaa):

Heute soll es wieder um ein Buch gehen, allerdings nicht nur. Hans-Ullrich Brändle, der heute den Impuls übernommen hat, wird über das Buch von Dohm/Schulze hinaus thematisieren, wie wir psychisch und körperlich auf Krisenereignisse und die davon ausgehenden Bedrohungen reagieren und mit uns gemeinsam diskutieren, wie wir vermeiden können, dass uns diese Reaktionen lähmen oder gar depressiv werden lassen.

Anlass, uns mit derartigen Fragen zu beschäftigen, besteht ja mehr als genug. Wir haben es ja nicht mehr nur mit der anhaltenden Klimakrise zu tun. Corona hat uns über Jahre hinweg beschäftigt und nun sind mit dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und vor wenigen Wochen mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel und dem Krieg im Gazastreifen weitere bedrohliche Ereignisse hinzugetreten. Mancher soll ja mit Blick auf seine Psyche schon aufgegeben haben, täglich Nachrichten anzuschauen.

Vor diesem Hintergrund wollen wir heute der Frage nachgehen, welche Reaktionen solche Ereignisse in uns auslösen. Auf welche Empfindungs-, Denk- und Verarbeitungsmuster greifen wir zurück? Und wie beeinflusst das jeweils unsere Handlungsmöglichkeiten?

Lea Dohm und Mareike Schulze, beide Mitbegründerinnen der „Psychologists for Future“, gehen in ihrem Buch davon aus, dass wir die starken Gefühle wie Angst, Wut, Trauer, die die bedrohlichen Folgen des Klimawandels bei uns auslösen, keinesfalls unterdrücken sollten. Beide Autorinnen sind beeinflusst von der sog. Positiven Psychologie und wollen Wege aufzeigen, wie wir mit derartigen Gefühlen produktiv umgehen können, statt uns von ihnen frustrieren oder lähmen zu lassen. Wenn ich sie richtig verstehe, ist ein erster, unverzichtbarer Schritt dazu, über derartige Gefühle zu sprechen. Genau das will Ulli Brändle heute auch tun. Wir werden deshalb von unserem üblichen Vorgehen etwas abweichen und nicht mit einem längeren Vortrag beginnen, sondern den Kreis von Beginn an interaktiv gestalten.

Bevor ich jetzt aber die Diskussionsleitung abgebe, möchte ich Ullrich Brändle noch kurz vorstellen: Er ist Arzt von Beruf und hat viele Jahre im Bereich psychosomatischer Krankheiten am Krankenhaus in Leonberg gearbeitet. Wenn sie so wollen, ist er für unser Thema der Mann vom Fach und Gründungsmitglied der Gruppe „Health for Future Tübingen“. Er wird heute verstärkt im interaktiven Diskurs von Peter Graesch, der als Psychotherapeut in Tübingen arbeitet und bei „Psychologists for Future“ aktiv ist.

 

2. Hans-Ullrich Brändle

Textautor im Folgenden: Hans-Ullrich Brändle (auf einen Impulsvortrag wurde bei der Veranstaltung verzichtet, zugunsten des interaktiven Vorgehens in der Diskussionsgruppe; wesentliche Teile der folgenden Ausführungen wurden vom Autor bei Gelegenheit eingestreut).

 

1. Einladungstext zur Veranstaltung

Technikgläubig lenken wir uns ab, von der Komplexität der Klima- und Biodiversitäts-, Nachhaltigkeits- und Klimagerechtigkeitskrise; blauäugig haben wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu spät als „Kriegsenergie“ erkannt. Werden wir erst aus Schaden klug? Dann läßt uns das Klima irgendwann keine Wahl mehr, egal ob wir Schlimmeres verhindern oder uns an die Folgen steigender Erderwärmung anpassen wollen. Wie kann „Das Rettende“ im steten Kreislauf von Denken, Fühlen, Handeln und körperlichem Empfinden in uns wachsen, um nicht der Solastalgie zu erliegen, dem belastenden Gefühl des Heimat-Verlustes? Die Psychotherapeutinnen Dohm/Schulze raten: „Wir brauchen den Mut, unsere Gefühle und Bedürfnisse wieder wahr - und ernst zu nehmen, um wieder beziehungsfähiger zu werden - mit uns selbst und anderen, aber auch mit unserer Umwelt. Es wäre doch ein wesentlicher Fortschritt, würden wir uns einmal die Zeit nehmen für ein gemeinsames Innehalten, Spüren und Reflektieren, wie es uns gerade geht. Dafür braucht es Zeit, Raum, Gespräche und Gefühle. Und genau um diese Gefühle soll es uns hier gehen. Denn nur sie führen uns mit dem nötigen Mut und der Kraft, die es brauchen wird, auf dem neuen Weg in eine umweltfreundlichere Zukunft.“

2.  Lernziele vom „Ich“ zum „Wir“ in drei Abschnitten:

Die Lernziele sind in Anlehnung an die inhaltliche Einteilung des Buches von Dohm/Schultze entstanden, vorallem aber in Erinnerung an die ersten drei Sätze der „Tübinger Einleitung in die Philosophie“ von Ernst Bloch (Frankfurt a. M. 1964): „Ich bin. Aber ich habe mich nicht. Darum werden wir erst.“ Entsprechend ist die Einteilung des interaktiven Projektes in drei Abschnitte im Folgenden zu sehen.

  1. Ich lerne Gefühle und Körperempfinden als Quelle der Erinnerung und Bestandteil des persönlichen, inneren Kontextes und seiner Sehnsucht „zurück nach normal“ kennen.
  2. Ich begreife mich als Teil der Natur.
  3. Wir können uns um so besser auf Ziele einigen, je klarer und einvernehmlicher sie zu verwirklichen sind.

 

3. Innerer Kontext und das „Hier und Jetzt“

Wissen Sie noch, was Sie am 7. 9. 2001 gemacht haben? Nein? Ich weiß es auch nicht mehr, was an dem Tag war. Aber was wir am 11. September 2001 erlebt haben, das ist noch Vielen von uns in Erinnerung. „9/11“ hat Gefühle in uns ausgelöst und diese wurden von nicht Wenigen in Albträumen verarbeitet. Gefühle, verstärkt durch Sinneseindrücke (optische, akustische, olfaktorische oder haptische), bleiben in Erinnerung, können bei unmittelbarem Erleben sogar traumatisieren (mit „flash backs“ und anderen Somatisierungen): Der Schock hat mir noch lange „in den Knochen“ gesteckt. Ich erinnere mich bis heute.

„Krisengefühle“ - das Kunstwort fiel mir ein, als ich das Buch „Klimagefühle“ von Dohm und Schulze gelesen und den Eindruck hatte, dass die verheerenden Folgen der Erderwärmung gegenüber der Vielzahl von Kriegen und anderen Katastrophen aktuell in den Hintergrund geraten sind; „Krisengefühle“ sind uns wohl gerade viel geläufiger, als „Klimagefühle“[1].

Wenn es Sinn macht, Unheil mit Gefühl in einem Wort zu benennen, dann soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass Menschen Innen- und Aussenwelt nicht nur rational, sondern schneller noch emotional und übrigens jederzeit somatisch erfassen können. Den „Krisengefühlen“ sei hier also probehalber einmal unterstellt, dass der Mensch sich die tierische Fähigkeit erhalten hätte, instinktiv Gefahr zu widdern und sich Gefühle zur lebensrettenden Selbstfürsorge nutzbar machen zu können. Aber wie funktioniert das? Mittels des interaktionell veränderten Formats der Veranstaltungsreihe „Politischer Gesprächskreis Rottenburg“ kommen wir gemeinsam der Sache auf die Spur.

Anhand eines Kreislauf-Modells aus der Verhaltenstherapie läßt sich ein innerer Kontext (gen. „Charakter“) darstellen, den jeder[2] dreidimensional als Auf- („Engelskreislauf“) bzw. Abwärtsspirale („Teufelskreis der Depression“) bei sich nachempfinden kann (Abbildung 1), horizontal auf der Gefühls-, und vertikal auf der Vernunftachse:

 


Abbildung 1

 

Nun wissen wir alle: je unmittelbarer das Erleben, um so heftiger unsere Reaktion. Im Reflex vernachlässigen wir sogar unseren inneren Kontext: bisheriges Streben wird akut hintangestellt. Durch intensive, wiederholte Erfahrung sind Reflexe zudem gebahnt und noch schneller abrufbar oder können somatisiert in Latenz distanzierbar werden (Automatismen: z.B. Körpergedächtnis des Pianisten; oder z.B. Angstantwort in drei möglichen, akut gebahnten Reflexen: Flüchten, Kämpfen oder Eingefrieren), oder sie können psychosomatisch krank machen (z.B. Angst-Zwangs-Erkrankungen, Kopfschmerzen, chronischen Bluthochdruck etc.).

Omri Boehm, der in New York lebende und lehrende, deutsch-israelische Philosoph, hat am 24.10.23 in einem Interview des SRF seine Schreckreaktion z.B. so beschrieben. Auf die Frage der Moderatorin, Barbara Bleisch, was ihm durch den Kopf gegangen sei, als er von der brutalen Attacke der Hamas am 07.10.2023 zum erstenmal gehört habe, antwortet er: " Das ist schwierig in Worte zu fassen. Die erste Reaktion war nicht rational. Mir mag was durch den Kopf gegangen sein. Vorallem war es eine körperliche Reaktion. Es war ein Zustand des Schocks, der Wut, des Abscheus über die Geschehnisse. Das Denken setzte erst später ein. Wir suchen immernoch nach Wegen, diese Dinge im Kopf zu verarbeiten. Als erstes war da eine körperliche Wahrnehmung, dass ein historischer Moment, vor dem wir uns alle gefürchtet hatten, tatsächlich eingetreten ist. Und dass wir uns erst klar darüber werden müssen, wie man ihn einordnen soll ("to think about it and to say about it")." Boehm spricht dann über Kontextualisierung. Er hat durch sein Eingangsstatement jedenfalls bereits demonstriert, wie Kontextualisierung im körperlichen Empfinden somatisiert ist und wie es Erinnerungen an frühere Überlegungen und Gefühle bündelt und dazu führt, dass Denkmuster reaktiviert und auf gefühlsreaktive Handlungsnotwendigkeiten (Flucht, Kampf oder Freezing) im Umgang mit Aggression überprüft werden. Daraus ist zu schließen: Kontextualisierung steckt also körperlich in uns und muss deshalb auch verbalisierbar werden, wenn wir nicht psychosomatisch erkranken wollen. Spannend, was Boehm im Weiteren zur Kontextualisierung in dem Interview zu sagen hat und wie er sie bei Slavoj Žižek und Judith Butler  verteidigt. Kontextualisierung ist Boehm zu Folge nicht von vornherein mit Antisemitismus gleichzusetzen!

Nun denken wir in Deutschland ja anscheinend, dass wir noch weit weg von Krieg, Krisen und wirklich extremen Klimaereignissen seien, wie sie bereits im Mittelmeerraum herrschen. Und entsprechend gelingt es vielen Mitbürgern, die Zeitläufe mehr oder weniger zu verdrängen, zu verleugnen oder anderweitig psychisch abzuwehren. Und diese Bemerkung ist keineswegs wertend (etwa i.S. „sich einen schlanken Fuß machen“)  gemeint, sondern lediglich beschreibend, dass neben Bequemlichkeit auch innere Notwendigkeit (Selbstschutz vor Überforderung und Re-Traumatisierung etc.) dahinter stehen kann, quasi im Charakter epigenetisch verankert, als Krisenerfahrung über Generationen hinweg. Zwar waren in Baden-Württemberg die Menschen Ende 2022 scheinbar wieder etwas optimistischer: 30 Prozent schauten damals wieder mit Hoffnung in die Zukunft, hat eine Allensbach-Studie herausgefunden. In welchem Kontext stehen wir aber zueinander?

Während einige das alte "Normale" zurücksehnen, begrüßen andere flexiblere Arbeits- und Lebensmodelle. Die Soziologie diskutiert darüber, wer das Recht hat zu definieren, was "normal" ist und welche Gruppen davon profitieren.

Zur Erklärung beschreibt der Soziologe Stefan Lessenich vom Frankfurter Institut für Sozialforschung in seinem Buch „Nicht mehr normal“ (Hanser, Berlin 2022) eine Gesellschaft am Rande des Nervenzusammenbruchs. Normalität hat für Lessenich drei Dimensionen: 1. Eine normative mit Regeln und Normen des Zusammenlebens, also Gesetze und Verordnungen, an die man sich halten muss, sie sind die Leitblanken. 2. eine Dimension der „gelebten Wirklichkeit“: Abweichungen von der bisher gelebten Norm können die Regeln verändern. Z.B.: Heirat Gleichgeschlechtlicher. 3.  Das Verhalten der Mehrheit. Was hält die Mehrheit der Bevölkerung für „normal“? Geltendes Recht oder was die Mehrheit macht? Oder denken viele, dass die Mehrheit etwas falsch macht: „das ist doch nicht mehr normal, was gegenwärtig mehrheitlich getan wird.“? [3]


Abbildung 2a: Der Normalpunkt liegt lotrecht in der Mitte, der Pendelaufbau ist resilient (schwingt immer wieder zurück auf Normal und kommt dort zur Ruhe).


Abbildung 2b: Mit der Erderwärmung (höherer Aufhängungspunkt des Pendels) wird ein Kipppunkt erreicht,  Toleranz und mit ihr die Resilienz des Systems gehen auch deshalb verloren, weil der Pendelfuß die Bodenhaftung (Resistenz) verliert, also keinen Rückhalt mehr von der Basis hat, sich nicht mehr „verständlich“ machen kann.

Solange wir noch beide Optionen zur Bewältigung der Klimaveränderungen oder zur Schlichtung eines Unfriedens haben- nämlich Resilienz (mit der Perspektive „zurück auf normal“) und Resistenz (im Kohärenzgefühl aus Verstehbarkeit, Veränderbarkeit und Sinnhaftigkeit) - sollten wir rechtzeitig auf  beide Widerstandsformen zurückgreifen. Und da können Klima-(krisen-)-Gefühle und soziale Ungleichheit der Anreiz sein, zum Handeln zu kommen. Nicht zu vergessen ist allerdings im verhaltenspsychologischen Kreislaufmodell, dass "Denken" und "Körperliche Empfindung" gleichberechtigt korrespondierende Faktoren, neben "Fühlen" und "Handeln" darstellen, nur dass wir uns durch Denken und Handeln eher bewußtseinsnah (durch Versuch und Irrtum) im Spannungsfeld von Anspruch und Wirklichkeit steuern können, als dass wir durch Fühlen und Empfinden unser Heil in der Befindlichkeiten zwischen Haben (bzw. Erhalten) und Sein[4]  suchen. Droht uns also die Resilienz bei kippender Befindlichkeit verloren zu gehen, bleibt zuguter Letzt, auf der Suche nach dem „neuen Normal“, nurmehr unsere Resistenz im Denken und Handeln. Was heißt das konkret und was sind eigentlich soziale Kipppunkte?

Soziale Kipppunkte erwartet der Soziologe Stefan Lessenich nicht, solange „gelebte Wirklichkeit“ als das „Neue Normal“ in Zeiten der Anpassung noch mehrheitlich toleriert werden kann, anders, als in Krisenzeiten, wenn soziale Kipppunkt rasch Chaos und Widerstand hervorrufen können. Die Ansichten über „das Normale“ gehen während dessen irgendwann auseinander: die einen wollen auf den Ausgangspunkt zurück, die anderen arrangieren sich mit dem Neuen. Wann wird in ausreichender Zahl („critical mass“ liegt bei 3,5% der Bevölkerung) erkannt, dass Einhalt geboten werden muss, worin und wie schnell? Wann wird ziviler Ungehorsam als letztes Mittel im Fall des Klimaschutzes legitimiert, wo er doch heute schon verfassungsrechtlich diesbezüglich legal ist?[5]

 


Abbildung 2c: „Das Normale ist verrückt und das Verrückte normal!“ In dieser Abbildung soll symbolisiert werden, dass die Polykrise zur Schieflage des Pendelsystems führt und der Kipppunkt in geringerer Temperaturhöhe erreicht wird: mit Krieg und Hass ist das (demokratische) System in vielen europäischen Ländern auf die rechtslastige, schiefe Bahn geraten. Das Pendelsytem gibt seiner Unwucht in Abhängigkeit von der Neigung und der basalen Resistenz nach. Weil der Normalpunkt lotrecht bleibt, der Ausschlag rechts aber größer als links geworden ist, kommt der Pendelfuß mit jedem Ausschlag zum rutschen (wenn dies nicht durch verbesserte Kohärenz, z.B. „Klimakleber“, verhindert werden kann) und durchläuft mit dem Weiterrutschen jedesmal ein „Neues Normal“. Resilienz (also zurück auf „normal“) gibt es schon jetzt nicht mehr, erst recht nicht in der Schieflage, weil durch kriegerischen Ökozid die Erderwärmung den Kipppunkt in unserem Öko-(Pendel)-system vorzeitig erreicht.

Prägend für die Deutsche Gesellschaft sind die Vorstellungen und Lebenswelten der Mittelschicht: 80% zählen sich Befragungen zufolge dem gesellschaftlichen Zentrum zu, sagt Lessenich. Diese Mehrheitsgesellschaft hat eine diskursive Macht. Sie bestimmt, was als „noch normal“ zu gelten hat und was nicht. Deshalb haben es Randmilieus (z.B. transgender oder migrantische) auch entsprechend schwer, ihre Verhaltens- und Sichtweisen und Alltäglichkeiten als „normal“ zu bezeichnen. Lessenich: „Das führt ja in der Mitte unserer Gesellschaft bei den diskursmächtigen Personen zu einiger Aufregung. Deswegen ist die Mitte und die Normalität, die von dort aus produziert wird, immer ein exklusiver Begriff, nicht nur dieser AfD-Slogan, den ich übrigens für „genialisch“ halte -  „Deutschland, aber normal !“ - (Der) trifft nicht nur das Lebensgefühl und die Wollungen von Rechtspopulist:innen, sondern von Vielen in dieser Gesellschaft, die denken „eigenlich lief´s doch ganz gut und meinetwegen könnte es doch auch so weiterlaufen“.“  

Die Sozial- und Kulturanthropologin Claudia Liepelt schrieb am 30.5.2021 über das AfD-Video in der TAZ: „Das Bedürfnis, als „normal“ wahr genommen zu werden, scheint insbesondere in solchen sozialen Zusammenhängen verankert, die von Kontrolle, Konformitätsdruck und Angst geprägt sind. Der Vorwurf, die gesellschaftliche Normalität zu stören, ist eine Form der strukturellen Gewalt.“

Wie es weltweit in rechtspopulistischen Parteien ähnlich zugeht, gleichen sich auch die Äusserungen und Erscheinungen ihrer Protagonist:innen - von Berlusconi, über Trump, Marine Le Pen bis hin zu Geert Wilders. Das Normalitätsversprechen der Rechtspopulisten kommt bei den Wählerinnen und Bürgern zunehmend besser an und scheint ihrer eigenen Selbstverpflichtung zu entsprechen. Die Konstruktion des „Normal“ ist der Versuch, völkisch-nationalistische Positionen in der Mitte der Gesellschaft zu platzieren und damit Ausgrenzung, strukturelle Gewalt und Ressentiments gegenüber Andersdenkenden und gesellschaftlichen Minderheiten zu normalisieren. Nach deren Vorstellungen ist Normalität etwas Exklusives. Sie gilt eben nicht für alle, sondern nur für die, die sich für normal halten. Bemerkenswert ist dabei der Verweis auf eine scheinbar perfekte Vergangenheit.

Der Wirtschaftsjounalist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Rainer Hauck sagt: „Normalität ist eine Projektion, Krise ist sozusagen Dauerrealität.“[6] Er spannt den Bogen von den 30er-Jahren in Deutschland bis heute. Angst vor Krieg, Atombombe, vor den Russen. „Es gab Ende der 90er-Jahre eine große Asienkrise. Dann kam die sogenannte New Economy-Krise. Dann kam die Finanzkrise 2008, dann kam die Euro-Krise, dann kam die Flüchtlingskrise. Also, es sind ständig Krisen, die Welt ist eine Krisenwelt.“  Frank Biess hat vor diesem Hintergrund 2019 das Buch „Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik“ geschrieben, das ich an anderer Stelle im politischen Gesprächskreis Rottenburg 2020 vorgestellt habe.

Für Stefan Lessenich hat Normalität deshalb normativ und empirisch Ausgrenzungscharakter, weil ein Großteil der weiblichen Erwerbstätigen und ein Großteil der migrantischen Erwerbstätigen kaum einmal im Zuge ihrer Erwerbsbiografie ein Normalarbeitsverhältnis genossen hat. Das „Neue Normal“, also Wohlstand wirklich für alle, quasi das „Gute Leben“ im Einklang mit der Natur (Buen Vivir), steht im kapitalistischen Wachstumsmodell des Westens in Frage, nicht zuletzt wegen des Klimawandels. Große Umbrüche erwachsen aus der Erkenntnis, dass wir nicht mit Technik, z.B. Erneuerbarer Energie, Carbon-Umwandlung etc., schnell genug reagieren können, sondern weniger energieintensives Produktions- und Konsumregime in der Gesellschaft brauchen. Lessenich: „Wenn sich diese Gesellschaft mehrheitlich darüber verständigen würde, dass das, was bisher normal war eine historische Ausnahmesituation war und auf Kosten von Dritten und Vierten ging und auch irgendwie nicht mehr haltbar war, dann wäre, glaube ich, schon viel gewonnen. Nämlich dann wäre überhaupt erst der Boden bereitet für die Diskussion: was soll denn in Zukunft normal sein und wer kommt bei der neuen Normalität unter die Räder.“

An der Klimakommunikation aber scheitert bessere Einsicht bisher, wenn sich die Bevölkerungsmehrheit von gendergerechter Sprache gemaßregelt fühlt, die den Wandel zum Eliteprojekt stilisiert und viele sich um Wohlstandsverlust sorgen läßt. Gerade, wenn all unsere Lebensbereiche in der „Großen Transformation“ auf den Prüfstand kommen müssen - Bau, Verkehr, Konsum, Produktion, ja sogar unsere Kommunikation – dann ist zuallererst der Erhaltung unserer Gesundheit gedient. Unser Wohlstandsfundament kann durch sozialökologische Transformation in ein postfossiles Zeitalter nur dann verbreitert werden, wenn wir über eine gesunde Zukunft in suffizientem Umbau und einer neuen Dimension von Teilhabe reden und darüber, dass wir nicht mehr über unsere Verhältnisse leben können.[7]

Claudia Kempfert Leiterin Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, sagt im Interview der TAZ am 23.11.2023: „Die klimaschädlichen Subventionen in den reichen Industrienationen müssen unbedingt abgeschafft werden. … Seit über 40 Jahren wird uns anhand von Fake News der Mythos eingeredet, dass Klimaschutz eine Bedrohung sei. Dabei ist die wahre Bedrohung die immer schneller wachsende Klimakrise! Durch diese interessengeleitete Manipulation der Öffentlichkeit wird echter Klimaschutz effektiv aufgehalten. Umso wichtiger ist es, Klimaschutz als eine gemeinschaftliche und demokratische Aufgabe anzunehmen und entsprechend zu handeln. Statt polarisierende, aggressive Desinformationskampagnen brauchen wir wissenschaftliche Fakten und klare Informationen, um wieder Ruhe in die Debatte zu bringen. Dann könnte man einen Teil dieser Gelder dafür verwenden, die Klimaschäden im Globalen Süden zu bezahlen. Diese Frage drängt nämlich. … Die „Verzicht“-Debatte stammt auch aus dem Drehbuch der fossilen Lobby. Ist es Verzicht, wertvolle Rohstoffe zu vergeuden oder teure Heizwärme aus ungedichteten Häusern verpuffen zu lassen? Es geht um die Vermeidung von Verschwendung. Emissionsintensive Privilegien Weniger müssen aufgegeben werden, die unsere Welt in eine Schieflage bringen. Fakt ist: Emissionsintensive Lebens- und Wirtschaftsweisen sind nicht zukunftsfähig. Grünes Wachstum wird nicht reichen. Wir brauchen eine Welt der vorsorgeorientierten Postwachstumsökonomie. ...Klima- und umweltschädliche Bereiche schrumpfen. Bereiche, die zum Erreichen der Klimaziele wichtig sind, wachsen. Soziale Bedürfnisse der Gesellschaft, wie Pflege, Gesundheit, Bildung und Kultur, gewinnen an Bedeutung. Hier wäre Verzicht der völlig falsche Ansatz.“

 

4. „Als ob wir nicht auch zu Migranten werden würden!“ Wo bleibt das Mitgefühl?

Würden wir den Campingcar von Geert Wilders in 10 Jahren an der deutsch-holländischen Grenze stoppen und ihn  als „Glücksucher“ zurückweisen, wie er Migranten verunglimpfend genannt hat? Würden wir gerade ihm gegenüber das Mitgefühl aufbringen, ihn und seine niederländischen Landsleute aufzunehmen, wenn sie zu uns wegen Überschwemmung ihres Landes bei steigendem Meeresspiegel emigrieren wollten?

Wer beim Meeresanstieg in welchem Boot sitzt, zeigt sich an dem Tag, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen, die die Erde innerhalb eines Jahres ohne Probleme zur Verfügung stellen kann, aufgebraucht hat: das war 2023 der 2.August. Der German Overshootday war der 4.Mai 2023, gleichauf mit Israel, an 16. Stelle hinter Katar, Luxemburg (Februar), Kanada, USA, Arab. Emirate im März, u..s..w.  Lebten alle Menschen in Deutschland bräuchte es drei Erden. Interessant, dass die meisten skandinavischen Länder, Australien und Belgien bereits im März, Österreich, Korea, Schweden, Tschechien, Slowenien, Irland und Saudiarabien im April den ihnen zustehenden Anteil verbraucht haben. Nahezu mit ihren Ressourcen zurecht kommen nur Ecuador, Indonesien und Cuba.

Wie nah wir den Katastrophen gekommen sind, will der Global Risks Report 2023des World Economic Forum abschätzen. Er erscheint in jährlicher Neuauflage 2023 zum 18. mal und warnt aktuell vor eng miteinander verknüpften globalen Risiken. Er führt unter den fünf Top-Risiken für die Menschheit vier ökologische an. Das zeigt: auch in den Führungsetagen der Weltwirtschaft ist die Nachrichten angekommen, dass wir unser Handeln neu ausrichten müssen. Er stellt fest, dass Konflikte und geoökonomische Spannungen eine Reihe von miteinander verwobenen globalen Risiken ausgelöst haben. Hierzu gehören Engpässe bei der Energie- und Nahrungsmittelversorgung, die in den nächsten zwei Jahren anhalten dürften, sowie ein starker Anstieg bei den Kosten der Lebenshaltung und des Schuldendienstes. Zugleich bestehe die Gefahr, dass diese Krisen Bemühungen zur Bewältigung längerfristiger Risiken untergraben, insbesondere im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der biologischen Vielfalt und Investitionen in das Humankapital.

Es wird argumentiert, „dass sich das Zeitfenster für Maßnahmen gegen die schwerwiegendsten langfristigen Bedrohungen rasch schließt und konzertierte, kollektive Massnahmen erforderlich sind, ehe Risiken einen Kipppunkt erreichen.“

Der Bericht, der in Zusammenarbeit mit Marsh McLennan und Zurich Insurance Group erstellt wurde, stützt sich auf die Perspektiven von über 1.200 globalen Risikoexperten und führenden Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.

Der Bericht hat als schwerwiegendste zehn Risiken für die nächsten 10 Jahre überwiegend (6 von 10) ökologische Risiken im folgenden Ranking vorhergesagt: 1. Fehlschlag der Mitigation des Klimawandels, 2. Fehlschlag der Adaptation an den Klimawandel, 3. Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse, 4. Verlust der Biodiversität und Kollaps des Ökosystems, 5. massenhafte, unfreiwillige Migration, 6. Verknappung der Naturressourcen, 7. Erosion des sozialen Zusammenhaltes, 8. Cyberkrime-Verbreitung und Cyber-Unsicherheit, 9. Geoökonomische Konfrontation, 10. Ausgedehnte Umweltschäden.

„Biodiversität in und zwischen Ökosystemen ist schon schneller rückläufig als zu jedem anderen Zeitpunkt menschlicher Geschichte. Im Gegensatz zu anderen Umwelt-Risiken ist die Biodiversität von den GRPS-Experten nicht auf kurze Sicht besorgniserregend. Sie wird aber in den nächsten 10 Jahren rasch an Bedeutung zunehmend (gemäß einem 4. Platz der Ranking-Liste) eingeschätzt.“ … „Ökosysteme zu Land und im Wasser stehen wegen ihrer unterschätzten Bedeutung für die globale Wirtschaft vor vielfältigen Belastungen. Im Grunde treten inflationäre und feed-back-Mechanismen nicht als Haupttreiber der bestehenden Krise auf. Ohne signifikanten Richtungswechsel in der Politik oder Investitionen wird das komplexe Fehlen von Klimaerhaltungsmaßnahmen, Nahrungsmittelsicherheit und Biodiversitätsverlust den Kollaps des Ökosystems beschleunigen.“

 

 5. Hoffnung, Zielkonflikte und das Wesen der „Polykrise“

Durch die Erweiterung des Themenumfangs von "Klima-" zu "Krisengefühle" kommen wir nicht umhin, den sich verstärkenden Effekt der Vielzahl von Krisen zu meinen. Krisenresilienz ist gefährdet, wo ganze Populationen an Überlebensgrenzen kommen, obwohl sie noch wenig Treibhausgase verursacht, aber imperiale und koloniale Verteilungskriege erlitten haben, samt Hunger und Vertreibung. Komplexe Wechselwirkungen zwischen Extremwetterverhältnissen, Kriegen und geopolitischer Einflussnahme tragen vielerortszunehmend zu Spannungen bei.

Forderungen nach Gemeinwohl werden demgegenüber nach Felix Heidenreich zur „Tragödie der Allmende“ und wohl als unser Gefangenendilemma in die Zeitgeschichte eingehen: „Solange niemand kollektiv bindend den Verbrauch von Ressourcen regelt, >>verliert<< derjenige Akteur, der sich selbst beschränkt.“[8] Der globale Süden hat den höchsten Infrastukturmangel, benötigt deshalb Wachstum und reklamiert Klimagerechtigkeit gegenüber dem Norden, der an Geld und Energieverbrauch gerecht teilhaben lassen und sich in seinem CO-2-Konsum einschränken soll.  Die Input-Legitimation der Anreizsysteme für eine starke, sanktionsbewährte kollektive Selbstbindung gilt für den Einzelnen wie für Nationalstaaten und wirft genuin demokratietheoretische Fragen auf: warum sollen wir einsparen und andere nicht?

Rücksichtsloser Egoismus konterkariert die oben dargestellte Positive Psychologie solange nicht, wie es für Resilienz (als Rückführung in eine menschenfreundliche Lebenswelt) noch nicht völlig zu spät ist. Wenn aber in Kürze Systeme bedroht sind, durch Überschreitung von Kipppunkten destabilisiert zu werden, können wir Mitigation nicht mehr durch Resilienz, sondern nur noch durch rechtzeitige Resistenz erreichen, oder wir müssen uns an veränderte Bedingungen adaptieren, so lange wir dies mit Abstrichen für unsere Gesundheit noch leisten. Hinzu kommt,  dass es allen Grund zu Zweifeln gibt, ob die 10% Reichsten der Weltbevölkerung, die als Hauptverursacher der Klimakrise gelten, für Verhaltensänderungen zu gewinnen sind, sich also begrenzen lassen und ob notwendige Regelungen rechtzeitig und entschieden wirksam gemacht werden können. Insofern hat auch die Positive Psychologie ihre Grenzen in ihrer Hoffnung auf das Wir-Gefühl, vorallem wenn sie nur auf Resilienz setzt und nicht auf ihren Ursprung, die Salutogenese nach Aron Antonovsky, zurückkommt, der vorallem die Resistenz des Einzelnen propagiert, die um so stärker für ihn und andere gesundheitsfördernd wirkt, je größer sein Kohärenzgefühls ist (je unbeschadeter jeder Einzelne Verstehbarkeit, Veränderbarkeit und Sinnhaftigkeit seiner Lebenswelt behält oder vermehren kann und Zusammengehörigkeitsgefühle hat).

 

Ein „gutes Leben“ kann demnach nicht mehr in Würde als eines gelebt werden, das zur planetaren Zerstörung beiträgt. Im Umkehrschluss setzt der „Radikale Universalismus“ von Omri Boehm auf  die vom äusseren Kontext unabhängige Würde des Menschen.[9] Aber wie steht es dann um die Machtfrage?

Stellvertretend für viele Stimmen der Vernunft, die sich in letzter Zeit zu Wort gemeldet haben, sollen abschließend ein Physiker, ein Ökonom und ein Politiker zu Wort kommen.

Der  Physiker Anders Levermann, Leiter der Komplexitätsforschung am Potsdamer Klimainstitut, hat soeben ein wichtiges Buch zur systemischen, ökologisch und ökonomischen Widerstandskraft veröffentlicht, die er im Kunstgriff der "Faltung" bildlich aus der Chaostheorie entlehnt. Er sucht damit das Dilemma der Klimagerechtigkeit in der regulierungsbasierten Diversität zu lösen und schlägt fünf zusätzliche Faltungsgrenzen[10] vor, die die vielerorts verfassungsrechtlich gewährten Menschenrechte stützen sollen: „1. Ende der Verbrennung fossiler Energieträger.“ CO2-Emissionen müssen weltweit innerhalb der nächsten zwanzig Jahre auf null heruntergefahren werden. Mittels Stärkung des Europäischen Emissionshandels, auf alle Sektoren ausgebaut, soll das gelingen. „2. Ende des Rohstoffabbaus“. Die Endlichkeit der Ressourcen zwingt zu rechtzeitig vollständiger Umstellung auf nachwachsende und recycelte Produkte, führt damit auch zu enormem Innovationsschub. „3. Begrenzung der Unternehmensgröße“. Um das Primat der Politik über die Wirtschaft zu erhalten, darf kein Unternehmen größer und mächtiger sein, als die Länder, in denen es operiert. „4. Begrenzung des Erbes“.  Zur Chancengleichheit muss das Vererben großen Reichtums (> 2 Mio. €) verhindert werden. „5. Begrenzung des Einkommensunterschieds.“  Es muss ein Verhältnis zwischen Maximal- und Minimaleinkommen hergestellt werden (z.B.: Faktor 100).

Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze[11]  meint mit dem Begriff der Polykrise, dass sich die Wirkungen der jeweiligen Krisen gegenseitig verstärken. Auf die Finanzkrise 2008 folgten die Migrationskrise sowie die Coronakrise. Nun ist mit der Ukraine- und Energiepreiskrise eine neue inflationäre Dynamik erreicht. Der Nahostkonflikt lässt einen Atomkkrieg als ulima ratio ahnen. „Möglich wäre, dass durch die Wirkung aller Phänomene gemeinsam ein Kipppunkt erreicht wird, der den Rückhalt für demokratische Parteien im politischen Wettbewerb gefährdet. Viele der heute relevanten Krisenphänomene lassen sich als ungelöstes Koordinierungs-problem beschreiben. Neben der langfristig besonders bedrohlichen Klimakrise, für deren Lösung globale Koordination nötig wäre, ist Europa aktuell von der Energiepreiskrise betroffen. Wie in vielen vorherigen Krisen drohen dabei aktuell die klimapolitischen Ziele erneut in den Hintergrund gestellt zu werden. Dabei bestünde ein Ansatz für eine gemeinsame Lösung der Energie- und Klimakrise in massiven Investitionen in die Energie- und Verkehrswende. Die Finanzierung ist seit der ca. 10-jährigen realen Negativzinsphase zum Nulltarif zu haben. Umgesetzt wurde jedoch bisher wenig, auch weil die fiskalpolitische Architektur Europas die Finanzierung solcher Maßnahmen über Kredite verhindert.“[12] „Speziell in Südeuropa, wo nach der Finanzkrise die Arbeitslosigkeit hoch und das Wachstum negativ waren, wäre eine nachfragestabilisierende und angebotserhöhende Investitionspolitik sinnvoll gewesen. Auch hätten sich die Leistungsbilanzen durch Substitution von Energieimporten verbessert. Europa entschied sich stattdessen für die Institutionalisierung der Sparpolitik. Die von Nordeuropa durchgesetzten hohen Steuersätze verstärkten Ausweichverhalten. 2016 wurde der Hafen von Piräus verkauft – an China. Damals behaupteten die Befürworter, dass die Sparpolitik auch kurzfristig positive Effekte für Produktion und Beschäftigung haben könne. Heute wissen wir, dass die Kosten dieser Politik für Produktion, Beschäftigung und die politische Glaubwürdigkeit dramatisch unterschätzt worden sind.“ „Wollte man die Nettokapitalrendite dem Wachstum der Gesamteinkommen anpassen, bräuchte es einen Spitzensteuersatz in Höhe von t = (r - g)/r, der die Differenz aus Rendite und Wachstum besteuert und in Deutschland nach obigem Beispiel etwa 65 % betragen würde.

Stattdessen gibt es eine duale Besteuerung, die die Erträge aus Kapitalvermögen sogar niedriger besteuert als die Arbeitseinkommen. Bis in die 1970er Jahre gab es in Europa und den USA Spitzensteuersätze bis über 90 %. Im Rahmen der Kapitalverkehrsfreiheit und des zunehmenden Steuerwettbewerbs sind solche Steuersätze heute kaum durchsetzbar. Wie in einem Gefangenendilemma scheinen die Staaten sich darin zu überbieten, niedrige Steuersätze im Wettbewerb um die global flüchtige Steuerbasis anzubieten. In einem solchen Wettbewerb sind progressiven Steuern Grenzen gesetzt. Die Umverteilung nimmt ab, Ungleichheit steigt, Polarisierung nimmt zu. Ob es sinnvoll ist, die aus guten Gründen staatlich organisierte Umverteilung auf einer internationalen Ebene wieder in den Wettbewerb zu stellen und so außer Kraft zu setzen, darf bezweifelt werden (Sinn, 1997). In ähnlicher Weise investieren Staaten weniger als nötig in die Energiewende, wenn dies nicht sinnvoll koordiniert wird; ein simples Markt- und Koordinierungsversagen. Eine Lesart der Eurokrise ist, dass die Länder der Eurozone darum konkurrieren, ein niedriges Preisniveau zu erreichen, den realen Wechselkurse zu reduzieren und Vorteile im Standortwettbewerb zu erwirken. Geldpolitik kann dies auf nationaler Ebene nicht ausgleichen. Aktive Fiskalpolitik ist ebenfalls nicht vorgesehen. Deutschland hat schon Ende der 1990er Jahre mit einer kontraktiven Lohnmoderation begonnen, Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der neu geschaffenen Eurozone zu erkämpfen. Die Exportüberschüsse betrugen von 2004 bis 2021 stets zwischen 5 % und 8 %. Schließlich zeigte die Eurokrise, dass die Kontraktionspolitik nicht verallgemeinerbar war. Ohne Expansion der Überschussländer verfehlte die Eurozone ihr Inflationsziel und die Nullzinspolitik wurde zur Ultima Ratio.

Wie kann es in diesem institutionellen Rahmen gelingen, Resilienz gegenüber den sich häufenden Krisen zu entwickeln? Eine Lösung könnte darin bestehen, die Gefangenendilemmata aufzulösen und den Ausweg aus den systematischen Krisen zu koordinieren. Hierfür bräuchte es handlungsfähige staatliche Akteure, die sich nicht im Wettbewerb mit anderen Staaten befinden, sondern koordinieren. Sollte internationale Kooperation gelingen, könnte der Spielraum z. B. für gemeinsame Investitionen in die Energieautonomie steuer- oder finanzpolitisch erreicht werden und die Staaten könnten ihre jeweils zugewiesenen Rollen in der Allokations-, Stabilisierungs- und Verteilungspolitik ausüben. Verlierer der Transformation könnten durch ein progressiveres Steuertransfersystem und eine aktive Fiskalpolitik kompensiert werden. Sollte jedoch eine internationale Koordination misslingen, nationale Regierungen weiter um Wohlstand, Finanzmittel, Steuerbasis, Industrien sowie Arbeitsplätze konkurrieren und Verlierer nicht kompensiert werden, könnte die zunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Polarisierung Populisten und Extremisten aller Couleur hervorbringen. Dies wiederum würde Koordination erschweren. Auf diesem Pfad blieben die Krisen ungelöst und der politische Protest à la „take back control“ dürfte sich verstärken.“

Seit 2009 wird so aus der Schuldenbremse eine Zukunftsbremse? Oder ist einer Ordnungspolitik vielmehr eine Industriepolitik vorzuziehen?  Widerstreitende ökonomische, politische und ethische Fragestellungen spiegeln die Dissonanz zwischen individueller Interessenslage, allen voran in der privaten Aneignung der Natur, und universeller Verbindlichkeit. Geht es „gefühlt“ dabei nicht aber um unser „Gemeinwohl“?  Eine Oxfam-Studie hat gerade erst wieder belegt: Das reichste Prozent der Menschheit ist für 16 Prozent der Emissionen verantwortlich – durch Privatjets und Yachten, Luxuskarossen und Swimmingpools (zit. n.: „Carbon Billionaires: The investment emission of the world´s richest people“, Oxfam Online, 7. 11.2022).  Ihren Reichtum beziehen diese Menschen vor allem aus fossilen Renditen; ihre Einkommen, Vermögen und Erbschaften müssen deshalb endlich höher besteuert werden. Wie kommen wir aus der „Ideologie der Zumutungslosigkeit“[13] , die uns weiß machen will, dass Transformation keinen Bürger was kosten solle? Und: kann sich die Welt Superreiche noch leisten?

Auf der Zielebene, und obersten Mentalisierungsebene -nach meiner vorausgegangenen Erörterung von Äquivalenz- und Ambiguitäts-("Sowohl als auch")-Ebene - zum Schluss meiner Überlegungen also, kommt somit die Kognitive Dissonanz zur Sprache: steht die Befriedung der internationalen Konflikte, notfalls mit hohem Verbrauch fossiler Energie und Verlust vieler Menschenleben, nicht vorrangig zum Schutz meiner eigenen Person an, bevor ich Unfriedlichere durch mein rücksichtsvolles Verhalten schützen soll? Das Private ist wieder einmal politisch; es braucht die dritte Kraft einer res publica dennoch: "Auch konkurrierende Nationalstaaten brauchen international kollektiv bindende Entscheidungen, wenn sie globale Allmenden schützen wollen."[14] Und dazu müssen alle ins Boot geholt werden.

Über Zielkonflikte läßt sich angesichts unübersehbarer Risiken nicht mehr ernsthaft streiten.

Gerade aber weil der Wandel der Weltherrschaft aktuell im Gange ist, ergeben sich Fragen, die uns emotional nicht kalt lassen werden, wie Winfried Kretschmann zurecht bemerkt: "Wir gehen den Leuten derzeit offensichtlich auf die Nerven."[15] Um diese, unsere Gefühle geht es doch aber ja nun einmal . . .[16]

 

 6. Zehn Thesen zur Debatte um Krisengefühle

  1. Der Charakter jedes Lebewesens steht im Kontext seines Denkens, Fühlens, Handelns und körperlichen Empfindens.
  2. Evolutionäre menschliche Adaption ist über Jahrtausende linear ansteigend über Verständigung erfolgt, soll nun aber exponentiell, seit 150 Jahren - und besonders jetzt in Zeiten der Polykrise – zunehmend komplexen, kommunikativen und interaktiven, Herausforderungen genügen, die immer mehr zur individuellen und gesellschaftlichen Überforderung werden.
  3. Normalität ist eine Projektion auf scheinbar ewig Gleiches; Krise ist jedoch (in Deutschland) Dauerrealität, die zu heilsamen Angst-, Scham- und Schuldgefühlen geführt hat, dadurch oft zur Veränderung, jedoch auch zur duldsamen Gewöhnung, Verleugnung oder Verdrängung des Bedrohlichen.
  4. Die Bemühung einiger Weniger, durch Mitigation die Resilienz der planetaren Systeme zu Gunsten der Menschheit trotzallem erhalten zu können, geht von der Annahme aus, dass die Natur (bestenfalls mit Hilfe menschlicher Technik), einem Pendel gleichend, im Zurückschwingen auf „Normal“ ihr Gleichgewicht noch rechtzeitig wiederfindet und dadurch die planetaren Lebensverhältnisse aufrecht erhält, sofern der Mensch die Natur nicht übermäßig belastet hätte.
  5. Die rechtspopulistische Konstruktion des „Deutschland-aber normal !“ spaltet die Gesellschaft und verheißt nicht allen Bevölkerungsgruppen ein normales Leben, sondern nur jenen, die sich für normal halten, sich in völkisch-nationalen Positionen in der Mitte der Gesellschaft platzieren und die Ausgrenzung Andersdenkender und gesellschaftlicher Minderheiten als normal erscheinen lassen wollen. Konservative Beharrungskräfte sind im übrigen nur vorübergehend Teil der Lösung, wenn es um gesellschaftliche Balance geht.
  6. Wenn biodiverse, sozioökologische und ökonomische Kipppunkte überschritten sind, dann ist die menschliche Würde „angetastet“, die Menschheit alternativlos, ohne Einfluss auf Mitigation oder teils in Adaption, dem planetaren Gefüge ausgeliefert; die verbleibende Option der reichsten Menschen (1%), die ebensoviel CO2-Emission verursachen, wie 5 Milliarden der ärmsten, könnte die Perspektive der Besiedelung des Mars (Elon Musk) sein, was sich als Illusion erweisen wird.
  7. Sobald erkannt wird, dass die Zeit zur Erhaltung planetarer Resilienz zuende geht, wird sich der Mensch seiner Teilhabe an der Natur stärker bewusst werden, den Verlust seiner Freiheitsgrade betrauern und sich an sein Kohärenzgefühl (verstehend, verändernd, sinnstiftend in Gemeinschaften agierend) erinnern, mit dem er Resistenz zeigen und das „Neue Normal“ im Spiegel seiner eigenen Bedürfnisse (im zivilen Ungehorsam renitent, wie die „Letzte Generation“, oder sogar revolutionär) verantworten kann.
  8. Gemeinsamer Widerstand heute kann Offenherzigkeit für das friedfertige, gute Leben morgen sein, Spaß am Sinnerleben mit sich bringen und im verbliebenen Glück des gegenseitigen Mitgefühls auf berührende Weise verbinden, im Erreichen persönlicher Resilienz: „Aktivismus und Engagement können aus der Handlung selbst heraus Freude machen.“ (Dohm/Schulze S.167)
  9. Verzicht auf Verschwendung ist kein Verlust, kann aber als menschlicher Beitrag zur Erhaltung der planetaren Gesundheit im Gegenteil Lust machen und ist ein Beitrag zur eigenen Salutogenese.
  10. Wir können unsere eigenen, pathogene Überlebensregeln beachten und durch Soziales Lernen modifizieren, indem wir unantastbare, zu würdigende Grundbedürfnisse (nach Bindung, Autonomie, Selbstermächtigung, Selbstwerterhöhung, Lustgewinn und Unlustvermeidung) benennen, Regeln unserer Motivation erkennen, unser Leiden (Abgetrenntheit und Ablehnung, Beeinträchtigung von Autonomie und Leistung, Beeinträchtigung im Umgang mit Kontrolle, übertriebene Außenorientierung und Fremdbezogenheit, übertriebene Wachsamkeit und Selbsthemmung) zutreffenderweise anerkennen, Brüche unserer Biographie als Chance zur Veränderung werten und uns im Gemeinschaftshandeln mitteilend und übend (einbrennend) verbessern, in der Hoffnung auf eigenen, inneren und globalen, äusseren Frieden.[17] .

 

 

[1]  Die Diskussionsrunde war eingangs aufgerufen, über eigene Krisengefühle zu sprechen und wenn möglich diese zu adressieren. Dabei konnte unsystematisch beobachtet werden, dass Pessimismus bei den Teilnehmer:innen vorherrschend war, dass einige Männer betonten, keine Gefühlsmenschen zu sein, aber glaubten, durch Denken ihren kühlen Kopf bewahren zu können, oder sich auch bewußt nicht mit erschreckenden Nachrichten konfrontiert sehen zu wollen, oder gar über Angst sprechen zu müssen. Frauen äusserten Wut („kommunikative Umweltverschmutzung der social media“), Ohnmacht des „Nichts-Tun-Könnens“,Verzweiflung. Das vorgetragene Gefühlsspektrum der Gesprächsgruppe wurde individuell wertschätzend vom Referenten validiert, als je eigene Prägung, erkennbar im Bedingungsgefüge von Denken, Fühlen, Handeln und Empfinden, unter entlastender Zuhilfenahme der Kognition: „So sind wir halt!“ Die aufdeckende Frage, wie „wir“ so geworden sind, wäre hier fehl am Platz gewesen. Klar wurde aber, dass wir nicht so bleiben müssen.

[2]  Jemand in der Runde sagt, es hänge eine große Angstglocke über der Gesellschaft, obwohl es uns noch gut gehe: „Es schwingt aber die Angst herein, es könnte uns doch treffen.“ Angenommen: mit dem Schlimmeren rechnend, würde diese Person Vorräte horten und sich in eine Parallelwelt zurückziehen, durch Bewegungsmangel körperliche Beschwerden erleiden, sich darüber sorgende Gedanken machen und noch schlechter fühlen, antriebsloser werden, krank. Damit wäre der Einstieg in einen spiralförmigen Kreislauf („Teufelskreis der Depression“) im Uhrzeigersinn (Abb.1) angetreten, der nach „unten“ führt, also einen energieärmeren - leider damit auch stabileren - Zustand erreicht. Mit einigem Aufwand (notfalls mit professioneller Hilfe bei psychosomatischer Erkrankung) könnte die Heilung darin liegen, in die gegenläufige Aufwärtsspirale („Engelsspirale“) umzusteigen, d. h. im Handeln durch Versuch und Irrtum oder im Denken durch veränderte Einstellung neue, selbstverstärkende positive Erfahrungen im Körperempfinden und im Gefühl zu machen. Ein Beispiel: mich hilflos fühlend, und „auf die da oben“ schimpfend, zappe ich durch die Fernsehprogramme. Nachdem mich ein Freund angerufen hat und mir von seinen Aktivitäten erzählt, fange ich an, mich zu interessieren, Gruppentreffen zu besuchen und ein Wir-Gefühl zu bekommen, mich in Bewegung zu setzen. Das tut meinem Körper genau so gut, wie meinem Geist. Jetzt bin ich immer mehr für „unsere  gute Sache“ engagiert. Ob ich damit „die Welt verbessere“ ist ungewiss, aber meine Lage fühlt sich nicht mehr ohnmächtig an, sondern geradezu sinnstiftend, wenn ich mich in einer Gemeinschaft nützlich mache.

[3]  Teilnehmer weisen darauf hin, dass der Begriff „normal“ nicht entwertet werden sollte, da er doch Orientierung gibt .

[4]  Unverändert hoch aktuell ist Erich Fromm: „Haben oder Sein“, 1976, und seine Manuskripte zum Thema im Buch „Vom Haben zum Sein, Wege und Irrwege der Selbsterfahrung“,  herausgegeben vom Leiter des Tübinger Erich Fromm Archivs, Rainer Funk, in dem Fromm anhand eigener Erfahrungen mögliche Wege und Irrwege aufzeigt, die beim persönlichen Bestreben zu mehr Gemeinwohlorientierung und schöpferischem Sein auftreten.

[5]  vgl. Vortrag von  Jochen von Bernstorff, LL.M. Professor für Staatsrecht, Völkerrecht, Verfassungslehre und Menschenrechte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen am 22.11.2023, Alte Aula d. Uni. Tübingen

[6]  Anmerkung Winfried Thaa in der Diskussion: Normalitätsvorstellung ist Voraussetzung, dass gesellschaftliches Zusammenleben möglich wird. Ohne Normen und Visionen kann eine Gesellschaft nicht existieren.

[7]  Lessenich, Liepelt und Hauck zit. n. https://www.swr.de/swr2/wissen/was-ist-das-neue-normal-wie-krisen-unsere-werte-veraendern-102.html%20

[8]  zit. n. Felix Heidenreich, „Nachhaltigkeit und Demokratie“, Berlin 2023, S.46

[9]  hier sei auf den noch unveröffentlichten Aufsatz von Winfried Thaa verwiesen: Gleichheit ohne politische Gemeinschaft ? Zur Kritik an Omri Boehms „Radikaler Universalismus. Jenseits von Identität“: „Während also Derrida und andere Dekonstruktivisten zeigen möchten, dass grundsätzlich alles kontingent, politisch gestaltbar und damit ein Ausdruck von Machtverhältnissen ist, verfolgt Boehm das antipolitische Ziel, den Vorrang der Philosophie bzw. einer philosophisch begründeten Moral gegenüber der Demokratie wiederherzustellen.“ Boehm fordere dies wiederholt ausdrücklich (vgl. etwa Boehm 2022: 73, 76)

[10] Anders Levermann: "Die Faltung der Welt: Wie die Wissenschaft helfen kann, dem Wachstumsdilemma und der Klimakrise zu entkommen", Ullstein 10/2023, S.261

[11]  „2022, Kawumm!“, Die Zeit, 29, 13. Januar 2023

[12] Zitate zu A. Tooze aus: https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2023/heft/1/beitrag/polykrise-als-gefangenendilemma.html

[13] s. Begriff bei Bernd Ulrich, Kommentar in Zeit-online v. 22.11.23: „Die Grünen und die Ampelkoalition - Zeit zu gehen“

[14]  zit. n. Felix Heidenreich, Nachhaltigkeit und Demokratie 2023, S.47

[15]  TAZ-Interview in der Ausgabe vom 14.11.23

[16]  Und somit kommen „wir“ ja ins Handeln, wie die Diskussionsrunde unseres Politischen Gesprächskreises resummiert hat: seelische Widerstandskraft entwickeln, Verantwortung übernehmen, sich mit anderen zusammentun und vernetzen, Versuch und Irrtum gelten lassen, Fähigkeiten erwerben, erworbene Verhaltensskripte unter neuen Bedingungen verändern, Soziales Lernen praktizieren.

 

[17]  Abbildung 3 zu These 10 „Weg zum „Wir““ in Pdf-Datei als Anlage vorhanden: Aus älteren Hirnregionen steigen Gefühle in den rechten Neokortex auf („bottom up“) und erinnern über Schema-Modi an zurückliegende Erfahrungen, indem sie über den Hippokampus zur linken Hirnhälfte überspielt und an Grundbedürfnissen überprüft, verbalisierbar und über einen „inneren Dialog“ modifizierbar werden (Sprachzentrum bei Rechtshändern ist linkshirnig angelegt). Dies gelingt nur, wenn keine Angst im Spiel ist und nicht Reflexe auf niederer Hirnebene (N. amygdale) eingeschaltet sind. Erst auf bewußter Ebene können („top down“, willentlich) alte Verhaltensmuster modifiziert und Soziales Lernen belohnt (N. accumbens) werden. Damit wird Ambiguitätstoleranz und ein kohärentes Selbst verbessert.

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