Förderverein Stadtbibliothek Rottenburg



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Politischer Gesprächskreis

Immer am letzten Dienstag im Monat treffen sich Menschen, um sich über ein bestimmtes Thema auszutauschen. In der Regel gibt es ein Impulsreferat, dann ist die Diskussionsrunde eröffnet.

 

Herzliche Einladung zum nächsten Treffen am

Dienstag, 24. September 2019 von 10.00 bis ca. 11.30 Uhr

im Seminarraum der Stadtbibliothek (2. Stock)

 „Die Gesellschaft des Zorns“

Besprechung des Buches von Cornelia Koppetsch, Die Gesellschaft des Zorns – Rechtspopulismus im globalen Zeitalter, transcript Verlag Bielefeld, 2019.

Die spektakulären Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen werfen erneut die Frage auf, weshalb heute so viele Menschen rechtspopulistische Parteien unterstützen. Gängige Erklärungen verweisen auf einzelne krisenhafte Ereignisse wie die massenhafte Zuwanderung 2015, verstehen die Wahlen als Protest gegen abgehobene Eliten oder führen sie zurück auf Fremdenfeindlichkeit, Autoritarismus oder andere Persönlichkeitsdefizite der AFD-Wähler. Dem widerspricht die Darmstädter Soziologin Cornelia Koppetsch in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Die Gesellschaft des Zorns“. 

Nach Koppetsch sind die Erfolge rechtspopulistischer Parteien das Ergebnis eines noch unbewältigten strukturellen Umbruchs, der alle westlichen Gesellschaften erfasst hat. Die zuvor im nationalen Rahmen organisierte Industriemoderne wird zu einer von ihr als „globale Moderne“ bezeichneten Ordnung umgebaut und kulturell gerechtfertigt durch die Vorherrschaft eines „progressiven Neoliberalismus“. Den Rechtspopulismus versteht sie dabei als „konterrevoutionäres“ Bündnis unterschiedlicher, in diesem Prozess zurückfallender Gruppen. Dabei sind ihr zufolge materielle Interessen weniger bedeutsam als eine Art „kollektiver emotionaler Reflex“, der sich gegen die Vorherrschaft kosmopolitisch orientierter Eliten wendet und eine Re-Nationalisierung der Gesellschaft, die Re-Souveränisierung deklassierter oder sich deklassiert fühlender Gruppen sowie eine Re-Vergemein-schaftung anstrebe.

Von den meisten Veröffentlichungen zum Thema Rechtspopulismus hebt sich das Buch von Cornelia Koppetsch durch einen kritischen Blick auf dessen gesellschaftliche und politische Gegenspieler ab. Die Lebensweise der urbanen akademischen Mittelklasse, die viel auf ihre kulturelle Offenheit gebe, charakterisiert sie als „nahezu vollständig homogen“, als eine nicht nach außen, aber entschieden nach unten abgegrenzte Kultur der Konkurrenz und individuellen Selbstoptimierung.

Im politischen Gesprächskreis sollen die wichtigsten Argumentationsstränge des Buches knapp erläutert und anschließend kontrovers diskutiert werden. 

Impuls: Prof. em. Dr. Winfried Thaa

Moderation: Wolfgang Hesse

Der Gesprächskreis versteht sich als offenes Angebot an politisch Interessierte. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.