26.01.2026: Wie gefährlich ist Peter Thiel, der Milliardär, der die Demokratie abschaffen will?

1. Begrüßung und Einführung (Winfried Thaa)

Ich darf Sie ganz herzlich begrüßen zu unserem ersten Politischen Gesprächskreis 2026. An dieser Stell gehört es sich, auch wenn der Monat Januar schon fast vorbei ist, dass ich Ihnen zunächst allen ein gutes Neues Jahr wünsche.

Dies gesagt, komm ich nicht umhin festzustellen, dass es denkbar schlecht begonnen hat – jedenfalls politisch: Eine amerikanische Militärintervention in Venezuela, blutig niedergeschlagene Massenproteste im Iran, die Ankündigung Donald Trumps Grönland zum 51. Staat der USA zu machen, als Folge davon ein drohender Handelskrieg zwischen Europa und den USA. Weiter ging es mit der Gründung eines Friedensrates als UNO-Ersatz, mit Donald Trump als lebenslangem Vorsitzenden und nun, als neueste Zuspitzung im Innern, die Gewalt der ICE Kräfte in Minneapolis, die womöglich den Vorwand für den Einsatz militärischer Kampfverbände bieten soll.

Kein Wunder, dass Trump derzeit auf allen Kanälen und in allen Zeitschriften das beherrschende Thema bildet. Wir wollen dem heute nichts hinzufügen, sondern uns stattdessen mit einer Person beschäftigen, die erst während der letzten Wochen breite mediale Aufmerksamkeit fand, dem Milliardär Peter Thiel (PTh), der immer wieder als Strippenzieher und Finanzier hinter Donald Trump und seiner MAGA-Bewegung bezeichnet wird.

Es ist sicher keine „Bildungslücke“, noch nie von Peter Thiel gehört zu haben. Will man die ökonomischen, ideologischen und ja, auch die religiösen Hintergründe des Erfolgs von Trump verstehen, sollte man Peter Thiel jedoch genauer in den Blick nehmen. Die meisten von uns dürften mit ihm indirekt schon zu tun gehabt haben – jedenfalls wenn sie über pay pal Rechnungen bezahlen oder auf Facebook Mitteilungen schreiben. Die eine Firma hat er gegründet, die andere mitfinanziert.  

Peter Thiel ist also ein äußerst erfolgreicher Unternehmer und Investor. Darüber hinaus ist er  - und das macht ihn für uns interessant – eine gesellschaftspolitisch interessierte, ideologisch motivierte und, allem Anschein nach, auch sehr machtbewusste Person. Was ihn tatsächlich bewegt, welche Vorstellungen er hat, und wie er die Welt verändern will, ist allerdings gar nicht so leicht zu rekonstruieren. Außer dass er für seinen Reichtum auf gar keinen Fall Steuern zahlen möchte. Was ihn von seinen Milliardärskollegen im Silicon Valley noch nicht groß unterscheiden dürfte.  Außergewöhnlich und undurchsichtig ist jedoch der Mix aus libertären, autoritären und offensichtlich immer stärker auch religiösen Vorstellungen, der hinter seiner Unterstützung für Donald Trump und J.D. Vance steht.

Um hier etwas Klarheit reinzubringen haben wir heute mit Wolfgang Wagner (WW) einen Referenten gewinnen können, den viele von Ihnen nicht nur als regelmäßigen Teilnehmer unseres Gesprächskreises kennen dürften. Wolfgang Wagner war viele Jahre lang Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Rottenburg, bevor er als Referent an die Ev. Akademie in Bad Boll wechselte. Zu seinem dortigen Aufgabenfeld gehörte es, sich intensiver mit dem Verhältnis von Kirche und Gesellschaft und damit eben auch mit politischen Themen zu beschäftigen.

Ich bin gespannt, was er uns die nächste halbe Stunde über die Person Peter Thiel, deren Motivation und Weltbild erzählen wird.

 

2. Impuls (Wolfgang Wagner)

Meine Damen und Herren!

Als ich kürzlich in einer Bibliothek zu Peter Thiel recherchierte, sagte mir der Bibliothekar: „Der Mann macht mir Angst!“ Ich war überrascht, weil die wenigsten diesen Namen kennen. Er sieht ihn als einflussreichen Strippenzieher hinter der Politik Donald Trumps.

Als ich in der Corona-Zeit eine Gedankenreise in mir unbekannte Gefilde machen wollte, kam ich in der Stadtbücherei Tübingen auf das Buch „Peter Thiel“ von Thomas Rappold.(2017)  Der Buchumschlag zeigt einen Schachspieler, der gerade einen Zug mit der „Dame“ machen will. Das Bild befördert das Image, dass der Investor Thiel seinen Gegnern immer acht Züge voraus ist. Der Autor investiert selber Internetunternehme und investiert auch in Firmen des berühmten Silicon Valley. Sein Buch fand ich ziemlich unkritisch, aber ich fragte mich: Warum wissen wir so wenig über diesen Thiel?

Das hat sich mittlerweile geändert, nicht zuletzt durch die Biografie von Max Chafkin (englische Originalausgabe von 2021 heißt „The Contrarian“. Der deutsche Buchumschlag zeigt einen älteren Thiel, der sein Gesicht etwas verbirgt. Das erscheint mir passend für einen Mann, der sich gen mit einer gewissen Geheimniskrämerei umgibt und in Interviews manchmal widersprüchliche Positionen einnimmt.

Also: Wer ist Peter Thiel? Geboren wurde er 1967 in Frankfurt am Main, als er ein Jahr alt war, wanderte seine Eltern in die USA aus. Sein Vater war als Ingenieur für verschiedene Bergbauunternehmen tätig, die Familie lebte unter anderem in Südafrika und Namibia. (Uranbergbau!)  Diese Erlebnisse brachten ihn wohl auch dazu, die Rassentrennung (Apatrtheid) zu verteidigen. Thiel, der noch immer ein bisschen Deutsch spricht, bezeichnet seine Familie als „sehr christlich“, er komme „aus einem evangelikalen Elternhaus“.

Schon als Jugendlicher galt Peter Thiel als hochintelligent, er war schon früh einer der besten Schachspieler Amerikas. Thiel studierte Philosophie und Jura an der Universität Stanford. Zu seinen Lehrern gehörte u.a. der Kulturanthropologe René Girard („Das Ende der Gewalt“) .

Zwei Denker gelten als Thiels intellektuelle Helden: Carl Schmitt und René Girard. Der Staatsrechtler Carl Schmitt galt als „Kronjurist des Dritten Reiches“. Er feierte die Ermordung der SA-Kader im sogenannten Röhm-Putsch von 1934 („Der Führer schützt das Recht“) und war ein Judenhasser. Aber auch das Denken von Ayn Rand, die Philosophin des Turbokapitalismus genannt wurde, soll Einfluss auf Thiel haben. Es ist eine Philosophie des Egoismus, die propagiert, dass der Starke keine Verantwortung für den Schwachen trägt. (DLF Podcast)

Er gründete eine Studentenzeitung , (monatlich „Stanford Review“) in der er den „woken mindset“ der Mehrheit mit seiner libertären Weltsicht angriff. Viele seiner Freunde und späteren Mitarbeiter kommen von dort.

Nach einer kurzen Zeit als Anwalt in New York ließ er sich als Investor im „Silicon Valley“ nieder. 1996 gründete Thiel seinen ersten Risikokapitalfonds (Thiel Capital).

Er förderte den Studienabbrecher Zuckerberg mit dem „start up“ Facebook. 2004 gründete der mit drei Harvard-Kommilitonen Facebook und gab 2006 sein Studium ohne Abschluss auf.

Schon seit Ende der 1990er-Jahre kennt Peter Thiel Elon Musk. Aus Thiels Firma Confinity wurde nach einer Fusion mit der von Elon Musk gegründeten Finanzplattform X.com im Jahre 2000 Paypal, das bald zum weltweit führenden Abwickler von Online-Bezahlvorgängen für Mittel- und Kleinbeträge aufstieg. (DLF)

Es gelang nicht, eine eigene Währung aufzubauen. Darum verkauften sie „Paypal  für 1,5 Milliarden Dollar an ebay. Thiel investierte sein Geld unter anderem in Facebook, Airbnb, LinkedIn, Yelp, Spotify, SpaceX und OpenAI (ChatGPT) Teilweise arbeitete er in diesen Firmen im Aufsichtsrat oder auch im Vorstand.

Anders als die durch Medien bekannten Tech-Milliardäre agiert Thiel lieber im Hintergrund.

Im Jahr 2003 gründete Thiel die Firma „Palantir Technologies“, die digitale Daten von Datenbanken, Satellitenbildern, Kommunikation und wohl auch die Nutzung Sozialer Medien zu Profilen einzelner Personen bündelt. Heute ist Palantir im amerikanischen Verteidigungsministerium und im Nachrichtendienst im Einsatz, auch die Polizei in Bayern und Nordrhein-Westfalen nutzen Palantir.

Interessant ist der Name, genommen aus der Trilogie „Der Herr der Ringe“.  Unter anderem der dunkle Herrscher Sauron kann mit dem Palantir-Stein über große Entfernungen kommunizieren und Ereignisse beobachten.

Palantir scheint das perfekte Werkzeug für die Weltherrschaft zu sein. Immerhin funktioniert fast alles nur noch digital, wir alle hinterlassen permanent Spuren im Internet. Thiel investierte ebenfalls in die Firma „Anduril“ (benannt nach einem Schwert in „Der Herr der Ringe“), die Kampfdrohnen produziert. Die Sorge, dass sich Künstliche Intelligenz, modernste Militärtechnologie und eine totalitäre Regierung verbinden könnten, kommt auf. 

Thiel verstärkt seine extrem libertäre Weltsicht. Seine Intelligenz, sein perfektes Gespür für den richtigen Schachzug zur richtigen Zeit paart er mit einer religiösen Sicht, die eine Mischung aus christlichem Fundamentalismus, Science Fiction, Technikglaube und Politik ist. Anscheinend arbeitet Peter Thiel an einer neuen Weltordnung, in der Demokratie abgeschafft werden soll, weil sie ineffizient ist.

Wenn auch der Podcast des Deutschlandfunks vom letzten Jahr „Die Peter-Thiel-Story“ etwas reißerisch ist, so sieht man deutlich, dass Thiel seit Jahren versucht, die amerikanische Politik zu beeinflussen. Es geht ihm nicht um die bloße Anhäufung von Geld, sondern um die Umgestaltung der Welt.

Am liebsten würde Thiel einen eigenen Staat ohne Reglementierungen errichten. Tatsächlich versuchte er, der übrigens auch Staatsbürger Neuseelands ist, künstliche Inseln zu schaffen, auf denen alle lästigen Gesetze abgeschafft sind. Hier sollen Forscher an Biochemie und Genetik experimentieren können ohne Ethikkommissionen, Bauvorschriften und dergleichen. Die Medizin sollte das Leben verlängern – er selber rechnet für sich mit 120 Jahren – wenn nicht gar den Tod ganz abschaffen. Seine Utopie: Ein Staat geführt wie ein Unternehmen im Silicon Valley, etwa wie Apple. E

 In Trump sah er bereits bei der Wahl 2016 offenbar einen geeigneten Kandidaten, der als „CEO Amerikas“ funktionieren könnte. Lange hielt man selbst unter Republikanern einen Wahlsieg für extrem unwahrscheinlich. Doch Thiel investierte und Trump gewann die Wahl.

Was später erst in Trumps zweiter Präsidentschaft Elon Musk mit seiner neu geschaffenen Behörde DOGE umsetzte, war von Thiel schon viele Jahre vorher vorbereitet. Thiel überreichte Trump bereits 2016 eine Liste mit 150 Personen, die bereit waren, den althergebrachten amerikanischen Staat zu zerschlagen und zu erneuern. Das war damals sogar Trump zu viel. Heute ist Thiels politisches Ideal Realität, die Welt schaut zu, wie in Trumps zweiter Amtszeit alte Werte zerschlagen und umgekrempelt werden und nicht mehr Gerechtigkeit und der Schutz der Schwachen im Vordergrund Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, ein Ende von Political Correctness, stattdessen grenzenlose Freiheit. Ganz nebenbei hat er den ursprünglich in der Demokratischen Partei organisierten J.D. Vance zu einer Karriere bei den Republikanern verholfen und ihn Trump zum Vizepräsidenten vorgeschlagen. Möglicherweise wird er der Nachfolger Trumps.

 Auf einmal gestalten private Unternehmer die Weltpolitik mit. Elon Musk hat mit „Starlink“ durchaus Einfluss auf den Ausgang von Kriegen – wenn er etwa der Ukraine ihr Navigations-Satellitennetz abschaltet, können ihre Waffenlenksysteme nicht mehr eingesetzt werden. Die Tech-Bosse wurden nicht demokratisch gewählt, sind aber teilweise mindestens so mächtig wie Politiker. Thiels System „Palantir“ übernimmt als privater Anbieter hoheitliche staatliche Aufgaben, die Strafverfolgung.

Der Deutsche Wolfgang Palaver war in Thiels Studienzeiten Gastdozent an der Universität Stanford, die beiden freundeten sich an. Heute ist Palaver emeritierter Professor für katholische Theologie in Innsbruck, und noch immer hat er Kontakt zu Thiel. „Bis heute hat Thiel ein Faible für obskure theologische Konzepte“, sagt Palaver. Er interessiere sich für „erzkatholische Fachthemen“. Im Laufe der Jahre kombinierte Thiel dies mit seinen libertären Business-Überzeugungen.

Vor kurzem machte die App „Hollow“ Schlagzeilen, eine Plattform für katholisches Leben. Peter Thiel investierte gemeinsam mit dem jetzigen US-Vize-Präsidenten JD Vance erstaunliche 40 Millionen Dollar in die App und deren Vermarktung.  Der rechte Ex-Fox-News Moderator Tucker Carlson vermutet, die App könnte die Welt grundlegender verändern als jeder Politiker.

Vance und Thiel, die sich noch aus dem Studium kennen, investierten bereits 2021 in die Video-Plattform für Rechte, „Rumble“. Die ist inzwischen ein Teil der Medienplattform „Truth Social“ von Donald Trump. Einer der populärsten Kanäle ist „Newsmax“, so etwas wie ein Nachrichtenkanal für alle, denen „FoxNews“ noch zu links ist. Auf „Rumble“ wird unter anderem weiter Trumps Lüge verbreitet, ihm sei 2020 die Wahl gestohlen worden.

Der Grund für die Stagnation? Für Thiel sind das die staatlichen Reglementierungen. Immer wieder ist die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA) Ziel von Thiels scharfer Kritik. Die verhindere zu viele Drogen und bremse die Forschung an einer Heilung für Alzheimer aus.  Peter Thiel: „Die christliche Intuition, die ich habe, ist: Ich will nicht den Antichristen, ich will kein Armageddon. Ich möchte einen schmalen Weg genau dazwischen finden, auf dem wir beides vermeiden.“

Thiels These: Die Technik müsse ein Versprechen einlösen, das seit jeher eigentlich das Christentum machte: die körperliche Auferstehung vom Tod. Jesus erstand laut Bibel körperlich von den Toten auf, doch es wird auch betont, dass er in einem „neuen Körper“ auferstand. Thiel ist jedoch überzeugt, dass technischer Fortschritt diese Macht, den Tod zu überwinden, übernehmen könnte.

Ein Denker, auf den sich Thiel häufig beruft, ist René Girard (1923–2015), der Professor für Französische Literatur an der Stanford University und Theologe war. „Nur wenige Christen sprechen noch von der Apokalypse, und sie haben meist eine völlig mythologische Vorstellung davon. Seltsamerweise erkennen sie nicht, dass die Gewalt, die wir selbst anhäufen und die über unseren Köpfen schwebt, völlig ausreicht, um das Schlimmste auszulösen.“

Thiel stimmt zu: Die Apokalypse komme wohl eher durch Menschen und ihre mächtig gewordenen Technologie zustande. Erstaunlicherweise sagt dies derselbe Mann, der in Militär-Technologie investiert und in KI, die diese steuert. Thiel spricht außerdem von den „Risiken eines totalitären Eine-Welt-Systems“. Alle hätten Angst vor Armageddon, aber niemand vor dem Antichristen. Für ihn sei mit diesem Begriff eine mächtige Weltregierung gemeint – also etwa die EU oder die UN. Denn die wiegten die Menschen im falschen Versprechen von Sicherheit.

Was könne man ihm entgegensetzen? Thiel interpretiert in typisch „wilder Exegese“ 2.Thessalonicher 2,6. Dort wird ein „Widersacher“ und sein „Aufhalter“ (Katechon) erwähnt. Wenn der Antichrist das „Eine-Welt-System ist, müsse man dieses „aufhalten“. Derjenige, der den Antichristen aufhält, sei laut Thiel eine irdische Macht. Thiel unterstützt Trump und dessen „America First“-Agenda, weil er ein Ende der Globalisierung und des globalen Handels möchte. „Lieber die Freiheit in den USA erhalten, als schlafwandlerisch ins Armageddon laufen“.

Thiel sprach ausführlicher über seine Endzeitvorstellung im Podcast von Ross Douthat, Kolumnist der „New York Times“. Schon in der frühen Neuzeit habe man den Menschen wie eine Maschine gesehen, und Maschinen könne man optimieren „Unsterblichkeit war eines der Projekte, um die es ging“, so Thiel. „Vielleicht war das anti-christlich, vielleicht war es eine Konkurrenz zum Christentum.“ Er selbst habe mit seinen Mitbegründern von Paypal eine „freezing Party“ veranstaltet, wo Verträge zum Einfrieren des Körpers verkauft wurden, berichtet Thiel.

An Thiel sind mehrere Dinge paradox. Er habe seine Hoffnung in Trump gesetzt, weil er für einen Aufschwung in Forschung und Technik sorgen könnte, sagte Thiel. Ironischerweise ist es nun aber ausgerechnet Trump, der staatliche Fördergelder für Wissenschaft und Forschung drastisch kürzt. Thiel wünscht sich Freiheit im digitalen Austausch. Doch die Regierung, die er unterstützt, scannt Handys an den Grenzen auf regierungs- und Trump-kritische Postings; Thiels eigene Firma „Palantir“ überwacht den digitalen Informationsaustausch. So viel Thiel auch vom Antichristen spricht, so wenig spricht er von Christus. Er spricht viel von der Offenbarung, doch nie textnah, sondern nur das, was er darunter versteht.

Podcast-Moderator Douthat spricht Thiel auf eines dieser Paradoxa an: „Sie haben in KI-Firmen investiert, Sie haben in Palantir investiert, in Militär-Technologie, in Überwachungstechnologie, in Kriegstechnologie. (…) Vielleicht ist dieser Antichrist genau derjenige, der diese Technologie nutzt, die Sie derzeit schaffen?“ Thiel antwortet: „Nein, das mache ich nicht.“ Fragen nach seinem persönlichen Glauben weicht Thiel in Interviews aus.

In Deutschland will die Bundeswehr Drohnen für viele Millionen anschaffen. Als Investor bei diversen Rüstungs-Start-ups taucht Thiel auf. Da ist das Berliner Start-up „Stark Defence“ mit der Kampfdrohne „Virtus“. Das Münchner Unternehmen Helsing mit der Drohne HX-2 und Rheinmetall mit „Raider“.

Transhumanismus und Christentum seien sich „sehr ähnlich“, behauptet Thiel. Beim Transhumanismus handelt es sich um die Ansicht, man könne den Menschen durch technische Hilfsmittel immer weiter verbessern, bis hin dazu, dass Teile des Menschen durch Technik ersetzt wird.

Peter Thiel sticht aus den anderen Tech-Giganten heraus, weil er seinen Einfluss mit religiösen Fragen und einem biblischen Anspruch verbindet. Was er als Libertarismus propagiert, betrifft am Ende nicht nur einige wenige einflussreiche Menschen, sondern geht mit einem Abbau an Demokratie und einem Aufbau von Macht Einzelner einher. Der Trumpismus, der eventuell demnächst über Trumps Nachfolger in einen Vancismus übergehen wird, hat längst Dimensionen vor Augen, die nicht nur erschreckend totalitär sind, sondern auch zutiefst metaphysisch untermauert sein wollen.

Der Medienforscher Martin Andree endet sein Buch „Krieg der Medien“ mit dem Untertitel „Dark Tech und Populisten übernehmen die Macht“ (2025):

„Dass die Oligarchen sich selbst völlig darüber im Klaren sind, welche Art von Apokalypse sie da vorbereiten, beweisen die Milliardärsbunker, von denen der US-amerikanische Digitalexperte Douglas Rushkoff ausführlich berichtet hat. Fünf Milliardäre hatten seine Beratung in Anspruch angenommen. Sie fragten ihn: „Neuseeland oder Alaska?“ Was wäre der ideale Ort für den Bunker, der ihnen Sicherheit bieten würde, wenn das „Ereignis“ einträte: „Mit diesem Euphemismus umschrieben sie Umweltkollaps. Gesellschaftliche Unruhen, Atomexplosionen, Sonnenstürme, unaufhaltsame Virusepidemien oder bösartige Hackerangriffe, die ganze Volkswirtschaften lahmlegen könnten.“… Wenn dann – nach dem Krieg der Medien – die Apokalypse kommt, sind die Milliardäre bestens vorbereitet. Aber eines ist sicher: In  ihren Bunkern wird für uns kein Platz sein.“  S. 221f.

Benutzte Literatur u.a.:

Martin Andree, Krieg der Medien. Dark Tech und Populisten übernehmen die Macht, Campus 2025Jannis Brühl u.a. „Der Feind in meiner Drohne?“, SZ Nr.292 19.12.2025

Max Chafkin, Peter Thiel. Wie der Pate des Silicon Valley die Welt beherrscht, FBV 2025

René Girard, Das Ende der Gewalt, Herder Verlag 2009

Roger Köppel, Peter Thiel und der Antichrist, Interview „Die Weltwoche“ Nr. 41  9.10.2025

René Pfister, Die Verteidigung des Eiffelturms, SPIEGEL  3/2026 S.6

Thomas Rappold, Peter Thiel. Die Biografie, FinanzBuch Verlag, München 2017

Jörn Schumacher „Der Antichrist, der amerikanische König und Peter Thiel, 1.8.2025 

https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story-1-6-willkommen-im-thielverse-100.html

TV Sendungen:

ARD Maischberger 18.11.25 Claus Kleber über Thier und Yarvin

3 Sat Kulturzeit 13,1,2026  und folgende „Control.All Delete“ Drei Sendungen über 1. Ayn Rynd  , Aya Jaff u.a. 2. Über René Girard 3. Über Curtis Yarvin u.a.

  

3. Fragen und Diskussionsbeiträge der Teilnehmer (Protokoll: Wolfgang Hesse)

TN: PTh & Co haben versucht, dem demokratischen, regulierenden Staat zu entkommen, indem sie Inseln und Landesteile kauften und dort Sonderentwicklungszonen (SEZ) errichten wollten, beispielsweise in Honduras. Die SEZ sollten wie Unternehmen geführt werden, es hätte keine Steuern, keine Bürger, sondern nur Vertragspartner gegeben. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass Manuel Hagel, der Spitzenkandidat der CDU, auch in Stuttgart eine Sonderentwicklungszone für Unternehmen einrichten möchte. Diese ähnelt allerdings nur im Ansatz den SEZ von PTh.  In der Praxis hat es bei PTh & Co mit den SEZ wohl nicht so richtig geklappt. Deshalb hat man sich dafür entschieden, gleich einen ganzen Staat (die USA unter Trump) zu übernehmen und ihn nach den eigenen Interessen auszurichten. Mit Staaten lassen sich auch wunderbare Geschäfte machen, siehe die Software Palantir. Dies könnte die im Impuls angesprochene ambivalente Haltung von PTh gegenüber dem Staat erklären. 

TN: Mit der Firma General Matter möchte PTh die US-Kernkraft neu beleben. Er hat sich dem Vorstand eines neuen Start-ups angeschlossen, das in einem der sensibelsten Sektoren der Energiewirtschaft aktiv werden will: der Urananreicherung. Er fördert die Entwicklung einer Plattform für autonome Drohnen. PTH hat mit ICE eine Anti-Migrationsplattform gegründet, die ca. eine Million Migranten verschleppt hat. Er fördert die Aushöhlung des Staates und setzt sich für die Abschaffung demokratischer, staatlicher Regulierungen ein. 

TN: In der Bevölkerung ist sich leider kaum jemand der Gefahren bewusst, die von diesen Eliten ausgehen. Wie konnte es diesen Eliten gelingen, die Bevölkerung auf ihre Seite zu bringen? 

WW: In den USA mögen die Leute Gewinner. Bleiben die Erfolge aus, sinkt das Ansehen eines vormaligen Gewinners schnell.

TN: Wie groß ist in Deutschland die Gefahr, dass Menschen sich nach Gewinnern und starken Führern sehnen? Wie könnten Schulen dem entgegenwirken? PTh unterstützt auch in Europa rechte Parteien. Auch in deutschen Firmen ist die Drohnenforschung angekommen. Thiel & Co. sind weltweit tätig.

TN: Vielen Dank für den hervorragenden Vortrag. Wie ist Ihre Sicht auf die Zukunft? Können die aktuellen Demonstrationen in den USA Einfluss auf die US-Wahlen im Herbst haben? 

WW: Hier halte ich es mit Wolfgang Ischinger, der neulich sagte, er gäbe keine Prognosen mehr ab, da auch er sich in der Vergangenheit schon getäuscht hatte. Es bleibt nur die Hoffnung. 

TN:  Demokratische Prozesse sind langsam. Laut PTh gibt es eine Elite, die der Meinung ist, es besser zu können, und die glaubt, deshalb für mehr Fortschritt sorgen zu können. Aber: Bürokratieabbau bedeutet immer auch den Abbau von Rechten. 

TN: Auch die Generation, die ohne KI aufgewachsen ist, ist sich der aktuellen Situation bewusst. Aber PTh, Palantir und KI sind uns voraus. Was können wir in der EU tun, um auf eigenen Füßen zu stehen? 

TN: PTh vertritt andere Vorstellungen von Demokratie. In den USA wird der Staat traditionell kritisch betrachtet. Autokratisches Denken macht die Schwächen der Demokratie deutlich. Ein Beispiel hierfür ist die Abstimmung im EU-Parlament zum Freihandelsabkommen Mercosur. 

TN: PTh spricht vom Antichristen. In drei Wochen beginnt in München die Sicherheitskonferenz. Welche Maßnahmen kann die Politik ergreifen, um der von PTh repräsentierten Entwicklung zu begegnen? 

WW: Grundsätzlich ist diese Entwicklung nicht neu. Politiker sind nun einmal karrieregesteuert. In München wird dieses Jahr wahrscheinlich mehr widersprochen, aber kaum jemand will seinen Ruf riskieren. 

TN: Die Aussage, dass Starke nicht für die Schwachen verantwortlich sind, ist unchristlich. 

WW: Der Begriff „Antichrist” ist hanebüchen und eine Beschimpfung. Was hat die Kirche in den USA zu Thiel zu sagen? Da es nicht die eine Kirche in den USA gibt, sondern viele christliche Strömungen, gibt es keine einheitliche Antwort. Es gibt einzelne kritische Stimmen aus verschiedenen lutherischen Kirchen. Wir erinnern uns auch an die kritische Predigt der Bischöfin der episkopalen Kirche in Washington bei Trumps Amtseinführung. 

TN:  Es wäre nur fair, zunächst die Argumente der Gegenseite zu wiederholen, um sie dann gegebenenfalls widerlegen zu können. Sind wir vielleicht die Wahnsinnigen? An welchen Punkten muss man PTh ernst nehmen? 

WW: Peter Thiels Gottesbegriff ist eher von Aristoteles übernommen als aus der Bibel. 

WTh:  Welche Kritikpunkte an PTh können wir übernehmen? Die Entwicklung in den USA ist uns immer einen Schritt voraus. Trump und PTh versuchen, politische Institutionen durch Aktionen mit rein wirtschaftlicher Logik zu ersetzen. Die Antwort von PTh auf gesellschaftliche Probleme liegt in einer Übersteigerung amerikanischer Ideologien auf Basis wirtschaftlichen Denkens. Auch bei uns erscheint Politik als lästig, wir müssen oft lange nach Kompromissen suchen, weshalb wir auch hier Anklänge an den amerikanischen Weg beobachten können. 

TN:  JD Vance und PTh haben sich zum Katholizismus hinbewegt, wobei die US-Kirchen eher sozial orientiert sind als die deutschen Kirchen. Ist die katholische Kirche damit kein Gegenpol mehr? 

WW: Die Beobachtung ist richtig. Thiels und Trumps monarchisches Prinzip passt besser zum Papsttum als zu synodal verfassten Kirchen. Thiel hat sich auch mit orthodoxen Kirchen beschäftigt, deren autoritärer Charakter ihm noch besser gefällt. 

TN: Die rein theologische Betrachtung befriedigt nicht, da Thiel in wirtschaftliche Unternehmen und politische Organisationen investiert. 

TN: PTh muss vor dem wirtschaftlichen Hintergrund betrachtet werden. Das Silicon Valley hat Milliardäre hervorgebracht. Eine entsprechende Entwicklung hat Deutschland verschlafen, da es eher maschinenbauorientiert ist. Wir brauchen mehr technologischen Fortschritt. 

TN:  Zum 2. Amtsantritt von Trump hat der US-amerikanische Thinktank Heritage Foundation 334 Empfehlungen für die neoliberale Umgestaltung der Gesellschaft und einen kompletten Wertwandel in der Politik vorgelegt. 

TN:  Die wirtschaftliche und politische Macht von PTh & Co beruht auf ihrem wirtschaftlichen Erfolg. Ihr Geschäftsmodell benötigt keine Fabriken mit Tausenden von Arbeitern mehr. In ihren Kreisen gibt es den Spruch: „Fünf geniale Programmierer sind mehr wert als 1.000 gute Programmierer.“ Sie können ihre Gewinne mit einigen hundert guten Ingenieuren erzielen. Es fehlt also eine starke Arbeiter- oder Gewerkschaftsbewegung, die ihnen Kompromisse abringen könnte. Ähnlich wie die Fürsten und die Kirche im Feudalismus über die damals wichtigste Ressource, den Boden, verfügten, verfügen die neuen Tech-Fürsten über die heute wichtigste Ressource, die Informationen. 

TN:  Warum gibt es in den USA nur zwei Parteien? Wir sollten uns nicht nur auf Thiel konzentrieren, sondern das Faustrecht des Stärkeren besser regulieren. Möglicherweise lassen sich die besprochenen Erscheinungen auch mit Freud als Rebellion gegen die Zivilisation erklären.

TN: Die reine Vernunft kann in eine Katastrophe führen (siehe Stalin). Möglicherweise zeigt uns PTh, wo wir falsch liegen. 

TN:  Letztendlich geht es um die Demokratie. Unternehmen wie PTh, Facebook und Paypal werden gebraucht. Wir sollten das Positive an diesen Unternehmen sehen. Wir sollten natürlich auch die Demokratie schützen und demokratische Parteien wählen. 

WW: Wir sollten PTh ernst nehmen. In einem Interview in der Weltwoche sagte er: „Ich bin hoffnungsvoll. Die Geschichte ist nicht vorbestimmt. Es gibt immer Raum für menschliche Handlungen. Es kommt darauf an, welche Entscheidungen wir treffen. In den Sternen geschrieben steht nichts.“ 

4. Abschluss und Dank (Winfried Thaa)

Winfried Thaa bedankt sich beim Referenten für den sehr gelungenen Impuls und bei den Teilnehmern für die anregende und vielschichtige Diskussion.

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